Offener Brief an unsere Patienten - und solche, die es werden wollen

 

 

 
Da im letzten Jahr 3  Kollegen ihre Praxen geschlossen haben, weitere folgen in Kürze, und wir von diesen Patienten viele bei uns aufgenommen haben, fühle ich mich aktuell sehr stark an meine Anfänge hier in Alsbach erinnert. Damals, so scheint mir, war mein größter Fehler, nicht die Medizin meines Vorgängers nahtlos fortzuführen. Das haben mir viele Patienten sehr übelgenommen und das führte zu Konflikten mit dem Personal, das ich übernehmen musste und die mir sehr durch ihre öffentliche Illoyalität sehr geschadet haben - ich habe sehr unter dieser Situation gelitten, zumal ich mich aufgrund der Schweigepflicht nicht so wehren konnte, wie ich es gerne getan hätte.

 

Während viele „alte Kollegen“ noch aufgrund von „Besitzstandswahrung“ in nahezu allen Bereichen viel zugestanden wird, was ihren Nachfolgern verwehrt wird, wurde mir damals von „höherer Stelle“ schnell klar gemacht, dass ich meine Praxis anders führen müsste, als dies meine alten Kollegen ringsherum tun. Daran habe ich mich stets gehalten, auch wenn das bedeutete, „die Wiesner ist unmöglich“, „die verschreibt nichts“……


Wie präsent dieses Bild nach nunmehr fast 13 Jahren noch ist, sehe ich am Erstaunen vieler Neupatienten darüber, dass ich „ja doch ganz anders bin“. Die Freude hierüber hat einen bitteren Beigeschmack, und die „Wunden von damals“ schmerzen teilweise heute noch

 

Viel wird „getratscht“, zählt als „freie Meinungsäußerung“, ohne dass ich mich adäquat wehren kann, da die Schweigepflicht mich bindet. Was mich am meisten ärgert: es wird ANONYM diffamiert - und wenn ich jemand doch erkenne und darauf anspreche, streiten diese Menschen es häufig ab!

 

Heute gibt es Ähnliches: ständige Diskussionen, warum ich etwas nicht so mache, wie der alte Hausarzt. Ich bin auch nach 13 Jahren immer noch für jedes Gespräch offen – sofern es sachlich, respektvoll und kooperativ geführt wird. Schweigepflicht hin oder her heute kann ich mich besser gegen Falschaussagen wehren, trotz Schweigepflicht – auch eine Lernerfahrung. Heute bin ich auch wesentlich freier: ich habe meinen Weg gefunden, keine Schulden binden mich mehr, ich habe einen Beruf, mit dem ich weltweit überall arbeiten kann, wenn ich das möchte…

 

Wir haben zu diesem Thema einen neuen Flyer aufgelegt: „Was Sie von uns erwarten können – und was nicht“. Ich hoffe, damit einige unfruchtbare Diskussionen von vornherein beenden zu können.

 

Heute tut es mir auch gut, viele Patienten zu haben, die zum Teil sehr weite Wege und lange Terminwartezeiten in Kauf nehmen, um von mir behandelt zu werden und es ist schön, zu sehen, auf wessen Empfehlung diese Patienten kommen.  Und natürlich ist auch hier mal der Platz, sich bei all den Patienten zu bedanken, die meine Medizin zu schätzen wissen und in Freundlichkeit und Respekt auch mal „danke“ sagen. Vielen Dank zurück – nur so kann ich weiterarbeiten.

 

Meine Ausbildung als Internistin sowie meine zahlreichen Zusatzqualifikationen und meine langjährige medizinische Erfahrung haben mich zu der Ärztin werden lassen, die ich heute bin. Und ich bin stolz auf meinen individuellen Weg, bin stolz auf mein Andersein:

 

- ich schieße nicht mit Kanonen auf Spatzen

- nebenwirkungsfreie/-arme Wege sind mir lieber als nebenwirkungsreiche

- pflanzliche Wirkstoffe verblüffen mich immer wieder in Ihrer Wirksamkeit - häufig sind sie klassischen Medi-

  kamenten mindestens gleichwertig, teils sogar überlegen

- Ernährungsmedizin ist mir wichtig: "Der Mensch ist was er isst"

- Orthomolekulare Medizin ist keine Geldschneiderei sondern evidenz-basierte Medizin

- Vorbeugung ist mir wichtiger als Heilen

 

Darüber hinaus denke ich, dass wir eine gute Organisationsstruktur haben, die wir immer wieder an die aktuellen Bedürfnisse anpassen:

 

-       dienstags und donnerstags stehen wir für lange Gespräche wie Ernährungs- und Burnout-/Stress-

        Beratungen, Beratungen im Bereich Mikronährstoffmedizin und für Gespräche mit Borreliose-Patienten zur

        Verfügung

-       Da gerade die Anfragen von Borreliose-Patienten im Moment explodieren, planen wir einmal im Monat einen

        Nachmittag für Gruppen-Erstberatungen, da sich das bereits bewährt hat  

-       Täglich von 7.30 – 8.00 Uhr sind für Blutentnahme reserviert, von 8 – 8.30 Uhr werden die Langzeitgeräte

        angehängt, täglich ab 11 Uhr beginnt die offene Sprechstunde. In der Terminsprechstunde haben wir feste

        Zeitfenster für die jeweiligen Untersuchungen reserviert, um nur ein paar Beispiele zu nennen

-       Und ab und zu übernehmen wir den kollegialen Vertretungsdienst für einen Kollegen, wenn dieser

        Urlaub/Fortbildung hat – das ist für mich selbstverständlich, denn im Gegenzug ist er für meine Patienten –

        also für Sie! – da, wenn wir Praxisferien/-fortbildung haben

 

Die Akutsprechstunde ist in der letzten Zeit häufig voller, wir wollen schließlich jedem gerecht werden. Längere Wartezeiten in diesem Zeitfenster täglich ab 11 Uhr sind unvermeidlich – ich bitte hierfür um Verständnis – bei anderen Ärzten waren viele von Ihnen deutlich längere Wartezeiten gewohnt und haben das anscheinend jahrelang gut toleriert. Übrigens: lt. Einer Studie des Virchow-Bundes beträgt die durchschnittliche Wartezeit beim Hausarzt 40.32 Minuten!

 

Bitte bedenken Sie:

 

Alles

Immer

Zur Wunschzeit

Für Jeden

 

geht – leider? – nicht und auch wir sind nur Menschen, die oft am Limit Ihrer Kräfte arbeiten. Wir sind dennoch gerne für Sie da. Ärztin zu sein ist für mich – trotz aller Widrigkeiten im Alltag – der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann.

 

Je genauer Sie sich auf Ihren Arztbesuch vorbereiten, umso schneller geht es für alle.

 

Die Terminsprechstunde an sich ist hiervon unberührt, darauf legen wir großen Wert.

 

 

Ich freue mich über jeden Patienten, der mit mir an seiner Gesundheit arbeiten möchte. Aber: niemand ist gezwungen, zu mir zu kommen - wir haben freie Arztwahl in Deutschland und der viel beklagte Ärztemangel scheint hier in Alsbach-Hähnlein doch nicht soooo groß zu sein, wie uns die Politik hier glauben lassen will.

 

So, das musste jetzt mal raus :-)

 

Herzlichst

 

Dr. S. Wiesner

 

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